PUSHING BORDERS
IM POOLHAUS BLANKENESE | HAMBURG
12. September, 20 Uhr | Poolhaus Blankenese Stiftung, Hamburg
September 2026
PUSHING BORDERS
AUSSTELLUNGSKOOPERATION MIT DER POOLHAUS-BLANKENESE STIFTUNG, HAMBURG
Ausstellungseröffnung in Hamburg: Samstag 12. September 2026, 20:00 Uhr
Mit einer Einführung von Dr. Anne Simone Kiesiel
Künstler*innen: Benjamin Allers, Sevil Amini, Gerhard Brandl, Herbert Egger, Judith Gattermayr, Gregor Graf, Katharina Gruzei, Tanja Hehmann, IRIS-A-MAZ, Thomas Kluckner, Katharina Anna Loidl, Ulrich Nausner, Rainer Nöbauer-Kammerer, Karin Maria Pfeifer, Claus Prokop, Otto Saxinger, Lisa Spalt und Katja Staudacher
Poolhaus Blankenese, Grotiusweg 55, 22587 Hamburg
Laufzeit: 12. September bis 10. Oktober 2026
Öffnungszeiten: Sa – So, jeweils von 15 – 19 Uhr
Als Teil der Ausstellung finden am Samstag, 19. September 2026, noch folgende Events statt:
16 Uhr: Führung durch die Ausstellung durch Atelier Freistil
18 Uhr: Lisa Spalt (IPA): Zeigarnik. Eine Merchandising-Vorlesung
Das Institut für poetische Alltagsverbesserung (IPA) widmet sich der Tätigkeit, der sich Poesie immer widmen sollte: der Erbauung. Das Ziel: eine lukrative, der Erhebung günstige Stimmung zu erzeugen, aus der heraus auf der Grundlage von fast nichts eine neue Gesellschaft so sehr danach aussieht, zu fliegen, dass wir es erleben.
Mehr Informationen zum Poolhaus Blankenese:
Mehr Informationen zur vorangegangenen Ausstellung in der MAERZ:
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PUSHING BORDERS – Grenzen polarisieren
Eröffnungsworte von Anne Simone Kiesiel
Grenzen polarisieren. Die einen betrachten sie als Notwendigkeit, die anderen setzen alles daran sie zu überwinden. Grenzen werden gezogen, verschoben, ausgedehnt, abgebaut, überschritten, eingehalten und ausgehalten. Sie dienen als Leitlinien gesellschaftlichen Miteinanders, liefern Orientierung und dienen der Identitätsbildung. Sie schützen und ermöglichen Freiheit, sie engen ein und begrenzen den Raum zur Entfaltung. Sie lassen träumen vom jenseits der Grenze, vom Anderen. Sie trennen vom Anderen, vom Fremden, von Ideologien. Grenzen sind physisch und abstrakt, greifbar und unsichtbar.
Eine unbegrenzte Welt wäre, so der Philosoph Paul Liessmann, ein Desaster. Grenzen sieht er als die essentielle Notwendigkeit für das menschliche Zusammenleben und die Erkenntnis. In einem Radio-Interview spricht er 2017 davon, dass Grenzen bereits im Mikro-Bereich fundamental sind: „Definitionen, Begriffe begrenzen den Gegenstandsbereich, den Gültigkeitsbereich eines Wortes, eines Begriffs, Gedankens. Wenn wir das nicht hätten, wenn wir nicht wüssten, worauf sich solche Begriffe beziehen, wenn das alles grenzenlos ineinander verschwimmen würde – wir könnten uns keine Sekunde lang in dieser Welt orientieren.“[1] Der Titel seiner 2012 erschienen Publikation „Lob der Grenze. Kritik der politischen Unterscheidungskraft“ liest sich in Anbetracht der heutigen gobal-politischen Gemengelage geradezu polemisch-orakelhaft.
Müssen wir uns stärker ideologisch abgrenzen? Sollten wir Grenzen ziehen hinsichtlich der Ausbeutung von Ressourcen? Gilt es, territoriale Grenzen abzubauen, solidarisch in der Weltgemeinschaft zu sein oder müssen wir Grenzen stärken, um selbst Schutz zu finden? Die ethischen Grenzen des Grenzbegriffs verschieben sich mit geopolitischen Handlungen. Grenzen sind, das wird aktuell gerade mit Blick auf territoriale wie auch auf ideologische Grenzziehungen deutlich, keine unüberwindbaren Schranken. Im gleichen Interview ergänzt Liessmann: „Eine Grenze beendet eine Sache nicht, sondern eine Grenze zeigt immer, dass ein Gegenstandsbereich oder ein Geltungsbereich hier aufhört und ein anderer beginnt. Aber das bedeutet, dass hinter einer Grenze immer etwas ist, was auch existiert, das auch interessant sein kann, was auch neugierig machen kann, was vielleicht auch wünschenswert, lebenswert ist und was man zumindest erkunden kann.
Das heißt, jede Grenze, gerade weil sie eine Grenze ist, hat immer auch so einen Lockrufcharakter. Es stachelt unsere Neugier an, und deshalb gehört zur Grenze ganz wesentlich auch diese Möglichkeit, manchmal vielleicht auch Sehnsucht, manchmal auch Angst vor Grenzüberschreitungen.“[2] Dem Lockruf folgt die Menschheit seht jeher, Grenzen werden tangiert, überwunden. Wir reisen zum Mond, zum Mars. Gleichzeitig droht die Gefahr mit dem „pushen“, dem Überschreiten von Grenzen die eigenen Grenzen aus den Augen zu verlieren. Des einen Freud ist des anderen Leid, die globale Verteilung von Ressourcen bzw. Nicht-Teilung von Ressourcen ist nur ein Beispiel hierfür.
Mit der Frage danach, wo Grenzen sich derzeit ausdehnen lassen, wo Systeme dadurch selbst an ihre Grenzen stoßen und wo neue Grenzen gesetzt werden könnten, sollten oder müssten, setzt sich die Ausstellung „Pushing Borders“ auseinander. 18 künstlerische Positionen aus Deutschland und Österreich, genauer aus Hamburg und Linz, tarieren den Grenzbegriff in all seiner semantischen Offenheit aus. Damit knüpfen sie an das Erbe der künstlerischen Avantgarde an, die den Lockruf der Grenzüberschreitung seit jeher ganz besonders deutlich vernommen hat. So wie Marcel Duchamp, der ein gefundenes Alltagsobjekt zum Kunstwerk erklärte und damit die Grenzen zwischen Kunst und Leben einriss. Oder Carolee Schneemann, Yoko Ono, Valie Export oder Marina Abramovic, die in den 1960er- und 1970er- Jahren die Body-Art und Performance-Kunst etablierten und als erste kompromisslos den eigenen Körper als Medium ihrer Kunst einsetzten.
Das Ausstellungprojekt im Poolhaus in Hamburg Blankenese ist eine erweiterte und modifizierte Version der im Juli gezeigten gleichnamigen Ausstellung in der Galerie MAERZ in Linz. Der Titel der Ausstellung ist dabei Programm, Grenzüberschreitungen finden auch in Form der Kollaboration der Künstler:innen statt.
[1] https://www.deutschlandfunkkultur.de/grenzen-warum-es-sinnvoll-ist-klare-linien-zu-ziehen-100.html
[2] Ebd.

